Die Grundlagen
Wenn Narrative lähmen
Noch immer sind viele Klima-Narrative Variationen von «Wir müssen das Klima schützen». Solche Narrative portraitieren Klimaschutz als etwas, das wir für das Klima und damit für den Planeten tun, nicht für uns selbst. Klimaschutz wird damit dargestellt als eine Art kollektive Wohltätigkeit gegenüber einem abstrakten System, nicht als zielführende Strategie zur Wahrung dessen, was den meisten Personen effektiv am Herzen liegt: ihr Zuhause, ihre Gemeinschaft, ihre Lebensqualität, die Natur um sie herum und die Zukunft, die ihre Kinder erben werden. Das gilt es zu ändern. Die Kommunikations- und Kampagnenstrategin Anat Shenker-Osorio formuliert es so: «Verkauf den Brownie, nicht das Rezept». Narrative, die sich nur auf Politikmassnahmen, Technologien, Lösungen oder gar die Rettung des Klimas konzentrieren, erklären zwar, was passieren muss – zeigen aber nicht auf, was die Leute davon haben.
Der emotionale Grundton mancher dieser Klima-Narrative macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Wenn Narrative sich vor allem auf Alarm und Dringlichkeit stützen, ohne überzeugende Zukunftsaussichten zu bieten, bleiben Zielgruppen ohne klare Orientierung zurück. Dabei zeigt die Klimapsychologie klar auf: Zielgruppen brauchen sowohl eine ehrliche Einschätzung dessen, was auf dem Spiel steht, als auch ein Gefühl dafür, was durch Handeln realistischerweise noch alles erreicht werden kann.
Wenn überzeugende Zukunftsaussichten fehlen, oder wenn völlig unklar ist, wie diese Zukunft erreicht werden kann, schliessen viele Personen daraus, dass es zu spät ist oder ihr eigenes Handeln ohnehin nichts bewirkt. Das Resultat? Sie fühlen sich überfordert, werden apathisch und wenden sich ab.